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Heimatmuseum Ruhpoldinger Bär
© © Ruhpolding Tourismus/Andreas Plenk

Comeback für den Bären

Datum: 30.09.2023
Von: Kathrin Thoma-Bregar

Der Ruhpoldinger Bär galt Jahrhunderte lang als der letzte in Bayern lebende Braunbär. Weil er sein Unwesen gar zu maßlos trieb, musste er dafür mit dem Tod zahlen. Im örtlichen Heimatmuseum hat er sein letztes Revier bezogen. Dort kann er völlig gefahrlos aus allernächster Nähe bestaunt werden.

Der harmlose Anblick trügt

Wie er so posiert, in seinem eigenen klimatisierten, verglasten Bären-Raum, in leichtfüßiger Haltung, den Kopf mit den dunklen Knopfaugen freundlich nach vorn gestreckt, schaut er ausgesprochen harmlos aus. Fast lammfromm. Dabei hat er zu Lebzeiten die Bewohner im Miesenbacher Tal in banges Grauen versetzt. Man schrieb das Jahr 1835 und er durchstreifte die Wälder des Schwarzachen-Gebietes, am Fuße des Sonntagshorns. Ihre Weidetiere waren ihm ein gefundenes Festfressen. Er nahm sich, was und so viel er kriegen konnte. Ein Nimmersatt auf vier pelzigen Pfoten, auf dessen Speiseplan auch Ameisen, Beeren und Gräser stehen. Und Honig! Für Honig läuft jeder Bär gerne kilometerweit. Aller Wahrscheinlichkeit war der Ruhpoldinger Bär von Österreich aus eingewandert.

Die Jagd auf den Bären

Aus Angst und Furcht, auch um das eigene Leben, wurde schließlich Jagd auf ihn gemacht. Der erste Anlauf scheiterte allerdings kläglich. Deshalb rückte im Oktober desselben Jahres ein großes Aufgebot aus Förstern, Forst- und Jagdgehilfen aus. Aber der zottelige Gesell machte es ihnen auch diesmal nicht leicht. Eine Gewehrkugel soll gar an seiner Stirn abgeprallt sein. Schließlich gelang es Ferdinand Klein doch noch, den 280 Pfund schweren Braunbären zur Strecke zu bringen, oberhalb des „Bäckenlaubstadlam Schwarzachenbach. Eine Gedenktafel erinnert dort bis heute an diesen historischen Erfolg, der sich für den treffsicheren Schützen ordentlich auszahlte: In einem Schreiben des königlichen Salinen-Forstamts bewilligte man Ferdinand Klein eine Prämie von 75 Gulden. Das entsprach rund einem Drittel seines üblichen Jahresgehalts.

 

Letzte Ruhestätte im „Bartholomäus-Schmucker-Heimatmuseum“

Raubtiere wie der Bär, der Wolf oder der Luchs wurden überall in Mitteleuropa rücksichtslos verfolgt und waren Ende des 19. Jahrhundert so gut wie ausgerottet. Beim 1835 geschossenen Ruhpoldinger Bären wird davon ausgegangen, dass er der letzte in Deutschland und in freier Wildbahn lebende Braunbär war. Bis im Jahr 2006 erneut ein Exemplar von Österreich nach Bayern kam und als „Problembär Bruno“ bekannt wurde.

Normalerweise gehen die großen Beutegreifer dem Menschen aus dem Weg, damit das so bleibt, muss man ihre Scheu vor Menschen unbedingt erhalten. Hat ein Bär nämlich einmal den Respekt verloren und sich im Hühnerstall oder Mülleimer bedient, kann man ihn nur schwer wieder umerziehen. Das war auch das Problem mit Bruno, der schließlich ein ähnliches Ende fand, wie der Ruhpoldinger Bär. Bruno ist im Münchener Museum Mensch und Natur zu sehen und hat dort den Braunbären aus Ruhpolding verdrängt. Der ist dafür heimgekehrt, mehr als 200 Jahre nach Ferdinand Kleins tödlichem Schuss. Diesmal allerdings sehr zur Freude der Bevölkerung. Im „Bartholomäus-Schmucker-Heimatmuseum“, dem ehemaligen herzoglichen Jagdschloss der Wittelsbacher, ruht er friedlich hinter Glas. Ausgestopft und präpariert – und irgendwie sehr zufrieden.

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