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Kaitl Alm
© © Ruhpolding Tourismus / Andreas Plenk

Eine der ältesten Almen Deutschlands versteckt sich auf der Südseite des Rauschbergs, wo der Bergwald in saftige Wiesen übergeht. Für Hüttenwirtin Gabi ist ihre Keitl Alm der schönste Fleck auf Erden und die Almsommer heroben dürften gerne endlos sein.

Vom Glück des einfachen Lebens

Schon als Kind hat Gabi Schaumann am liebsten jede freie Minute auf der Keitl Alm verbracht. Barfuß über Stock und Stein toben, von morgens bis abends. Im Heu schlafen und Sterne zählen. Das „Wassermuas“ der Oma essen, ein einfaches Gericht aus Wasser, Mehl, Eier und Butter, das direkt in der Pfanne auf den Tisch kommt und einst die Hauptmahlzeit der Holzknechte war. „Meine Oma war eine tolle Köchin, ich mochte vor allem ihre Speckknödel oder ihren Schweinebraten mit Semmelknödel, den es sonntags gab. Wenn Knödel übrigblieben, hat sie mir die am Montag angebraten und vor den anderen versteckt, bis ich aus der Schule kam“, erinnert sich Gabi. Sie sitzt auf der Hüttenbank der Keitl Alm und sieht glücklich aus. Heute ist einer dieser Sommertage, die schöner nicht sein könnten. Zünftige Musikanten und Musikantinnen haben sich eingefunden, Wanderer sind da und Radlfahrer sowieso. Sie kommen gerne herauf, mit E-Antrieb und ohne. Das war schon bei Gabis Vater so. Der „Keitl“ war bekannt, weit über die Ortsgrenzen hinaus - seine typisch bayerischschnäuzige Art bei einigen sogar gefürchtet. Nach seinem Tod hat Gabi vor ein paar Jahren die Alm wieder eröffnet und bewirtschaftet sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Walter. Die Keitl Am gehört zum gleichnamigen Keitlhof in Inzell. Gabi ist die elfte Generation der Familie herhoben.

Jahrhundertealtes Erbe

Urkundlich erwähnt wurde die Keitl Alm erstmals 1290. Auf einem Holzschild, das am Nebengebäude des Almkasers hängt, heißt es: Anno Domini 1290 verließ das erzbischöfliche Domkapitel zu Salzburg dem Keitlbauer die Alpe am Stein. In den Jahren 1594, 1795 und 1952 erfolgte durch die jeweiligen Besitzer des Keitlhofes der Um-und Neubau dieser Alm. Seit Jahrhunderten tragen die dicken abgerundeten Holzbalken der Keitl Alm die Last des Daches. Das ist traditionell gedeckt, mit Lärchenschindeln, armdicken Kanthölzern und kugelrunden schweren Steinen zum Beschweren.

Kaitl Alm
© © Ruhpolding Tourismus / Andreas Plenk

Überbleibsel einer vergangenen Zeit

Ansonsten könnten Wind und Hagel, Starkregen und Schnee die Dachfläche allzu leicht abdecken. Wer hineingeht in den kleinen Kaser, muss den Kopf einziehen. Die Menschen waren früher deutlich kleiner. Sogleich steht man in der Küche. Platz ist hier nur wenig. Das alte Holz ist ganz dunkel, fast schwarz. Es riecht leicht nach Rauch. Das kommt noch von der „Rauchkuchl“, der Rauchküche oder auch Schwarzküche, die hier einst stand. Auf ihr wurde über offenem Feuer gekocht, in schweren Eisenpfannen, die am sogenannten „Kochgalgen“ hingen. Der Rauch sammelte sich unterm Dach, färbte es rußschwarz und zog durch die undichte Decke ins Freie ab. Hinabhängende Lebensmittel wie Speck und Würste wurden so gleichzeitig geräuchert. Wo früher die Großmutter den Kochlöffel schwang, zaubert heute Enkelin Gabi für ihre Gäste üppig volle Brotzeitbretter. Auf ihnen türmen sich Käse und Speck, Kaminwurzn und Schmalz, liebevoll garniert mit frischem Meerrettich, Radieschen, Gurken, Tomaten, Zwiebeln. Getränke kühlen in dem langen Brunnen vor der Almhütte. Das stetige Plätschern des Wassers und die Glocken der Kühe sind die einzigen Geräusche – abgesehen von dem munteren Geplauder der Gäste und der Livemusik an diesem Nachmittag.

Stress-freie Zone

Gabi steht gerne früh auf. Heute morgen war es fünf Uhr, als sie zum Sonnenaufgang mit ihrem Kaffee vor der Hütte saß um dem Tag beim Anbrechen zuzuschauen. Sie hockt dann gleich neben der Hüttentür. Auf der anderen Seite des kleinen Tisches hat sie in Gedenken an ihren verstorbenen Vater einen Platz für ihn reserviert, darüber eine Fotografie von ihm und ein geschnitztes Bild. Niemand anderes darf sich hier hersetzen. Der Keitl-Sepp war früher sommers wie winters auf der Alm und hat mit seinem großen Bulldog die Forstwege vom Schnee geräumt. „Bei den Paralympics war er 1972 als Skifahrer am Start, im Slalom und Riesenslalom. Er hatte als Jugendlicher Kinderlähmung und musste seitdem immer eine feste Schiene ums Bein tragen“, erzählt Gabi. Sie selbst verbringt die kalten Monate im Tal. Es gibt zwar einen Ofen in der Almhütte, aber es ist zugig und zwischen den Ritzen kriecht die Kälte hinein.

Gerade kommen zwei Mountainbiker über den Wiesenweg auf die Alm zugefahren, vorbei an der großen Tanne in die Gabis Oma einst eine geschnitzte Christusfigur gehangen hat und die mittlerweile mit dem Baumstamm verwachsen scheint. Ob es an dem Heiligen liegt, dass die mächtige Tanne die Keitl Alm all die Jahrhunderte vor Blitzeinschlag bewahrt, selbst aber schon drei überstanden hat, oder an einer unterirdischen Wasserader, man weiß es ist. In jedem Fall ist dieses Fleckchen Erde auf knapp 1.000 Meter Seehöhe ein besonderer Ort. Es ist, wie es auf einem einfachen Holzschild über dem weißgestrichenen Sprossenfenster heißt, eine „Stress-freie Zone“. Besser lässt sich das Leben und Sein auf der Keitl Alm nicht zusammenfassen. Für Gabi Schaumann ist sie ihr ein und alles.

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