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Böllerschützen an Weihnachten
© Ruhpolding Tourismus/Andreas Plenk

Warum es zu Weihnachten laut wird

Kathrin Thoma-Bregar
Datum: 30.11.2022
Von: Kathrin Thoma-Bregar

Böllerschießen ist in vielen Alpenregionen ein uralter Brauch, auch im Miesenbacher Tal. Wenn die Salven, Salute und Schnellfeuer der Böllerschützen der „Königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft Ruhpolding“ erklingen, gibt es meist etwas zu feiern.

Die Luft ist klar, am Himmel stehen Sterne, es herrscht eine friedliche Stimmung - und dann wird es laut.

Heiliger Abend. Die Luft ist kalt und klar und am Himmel stehen Sterne. Auf dem Dach der kleinen, hölzernen Schützenkappelle St. Sebastian thront der Schnee. Daneben leuchtet der Christbaum. Es herrscht eine ganz wundersame, feierliche Stimmung – und dann wird es laut. Die Schüsse der Böllerschützen durchdringen die Nacht. Mit dem Ehrensalut gedenken sie den verstorbenen Vereinsmitgliedern, genauso wie am 20. Januar, dem Namenstag des Heiligen Sebastian. Er ist der Schutzpatron ihrer Kapelle.

Schussmeister Erwin Plenk hat zwei Fackeln in der Hand, mit ihnen gibt er die Kommandos. Rufend würden ihn die 20 Ruhpoldinger Böllerschützen nicht verstehen. Sie stehen nebeneinander aufgereiht, vor ihnen stecken weitere Fackeln im Schnee. Geschossen wird mit Handböllern. Nur die Männer in der letzten Reihe haben die größeren und schwereren Schaftböller.

Jeder Schütze hat bereits abgewogene Ladungen an Schwarzpulver dabei, für jeden Schuss eine. Das Pulver kommt in den Lauf des Böllers, dann wird mit einem Schlegel ein Korken in die Öffnung geklopft, „Verdämmen“ nennt man das. Mit einer Zündkapsel wird das Pulver dann entzündet. Es gilt: Je besser verdämmt, desto lauter der Knall.

Geböllert wurde zu Festen, aber auch zur Weitergabe von Informationen und Warnungen

Die Ruhpoldinger Böllerschützen gehören zur „Königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft Ruhpolding“, deren Wurzeln bis ins Jahr 1411 zurückreichen. Damals war ihre vorrangige Aufgabe die Verteidigung von Landesgrenzen. Geböllert wurde zu kirchlichen und weltlichen Festen und wahrscheinlich auch, um schnell Informationen oder Warnungen weiterzugeben - was bei einem so großen Dorf wie Ruhpolding anders gar nicht möglich war.

Nachwuchssorgen haben die Ruhpoldinger Böllerschützen nicht. Ihr jüngstes Mitglied ist 21 Jahre, das älteste 90 Jahre alt und immer noch aktiv. Wer zum Verein gehen will, muss eine Prüfung ablegen. Böllerschießen darf nicht einfach jeder. Früher, als noch gefährlichere Geräte wie die Standböller verwendet wurden, geschahen immer wieder Unfälle.

Das ganze Jahr über sind die Ruhpoldinger Böllerschützen im Einsatz: Auf Hochzeiten, bei denen es Brauch ist, das Brautpaar in aller Herrgottsfrüh mit Salven aufzuwecken. Zu Fronleichnam, um die Prozession anzukündigen. Am 4. Adventssonntag, zu Heilig Abend und am Silvesterabend. Bei Empfängen, Verabschiedungen, Jubiläen, oder Großveranstaltungen wie dem Biathlon Weltcup. Dann ertönen Lauffeuer, bei denen im gleichen Takt geschossen wird. Und das flottere Schnellfeuer oder die beschleunigte Kette, bei der die letzten Schützen schon fast gleichzeitig schießen. Beim Salut feuern alle Böllerschützen auf einmal ab, so dass es sich anhört wie der Klang eines einzigen, gewaltigen Schusses. Mit einem Salut endet auch das Böllerschießen am Heiligen Abend. Danach kehrt wieder friedliche Stille ein. Frohe Weihnachten!

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