Nachtschicht am Berg

Datum: 21.12.2023
Von: Kathrin Thoma-Bregar

Da lacht das Skifahrerherz: Pisten, so ebenmäßig, so griffig, jeder Bogen wird zum Carvingschwung. Das Präparieren so einer Anfahrt ist eine Kunst. Pistenbullyfahrer Andreas Haßlberger vom Unternberg-Team zeigt, wie‘s geht.

 

Dienstbeginn zur Dämmerung

Es hat den ganzen Tag über leicht geschneit. Einige Zentimeter Neuschnee sind zusammengekommen, sehr zur Freude der Skifahrer. Jetzt stehen die drei Lifte am Familienskigebiet Unternberg. Es ist später Nachmittag und dämmrig. Die Wolken hängen tief. Alle zieht es hinein in die warmen Stuben. Feierabend. Nicht für Andreas Haßlberger, sein Dienst geht jetzt erst richtig los. Sein Arbeitsgerät steht bereit, ein Pistenbully 600, zwöfleinhalb Tonnen Gewicht, 400 PS. Schon als vierjähriger Bub durfte Andreas bei seinem Vater in der Pistenraupe mitfahren. Vor rund 15 Jahren ist er in dessen Fußstapfen getreten, und zählt schon im Sommer die Wochen, bis endlich die ersten Flocken fallen.

Pistenpräparierung mit Seilwinden

Im Führerhäuschen seines Pistenbullys ist es kuschelig. Die Scheibenwischer laufen. Die Scheinwerfer sind an, der Motor auch. Bevor er startet, stellt Andreas noch die blinkenden Hinweisschilder auf, damit jeder weiß: Achtung, hier wird präpariert. Die Pisten sind gesperrt. Dann fährt er die Winde aus und hängt sich an einem verankerten Stahlseil ein. Pistenpräparierung mit Seilwinden gehört heutzutage in den meisten Skigebieten zum Standard, auch am Unternberg. Die Kraft der Winde reicht nicht aus, um die Pistenraube den Hang hochzuziehen, aber sie unterstützt das schwere Gefährt. Und sie verhindert, dass es den Halt verliert und ins Rutschen kommt. Dann würde der Pistenbully sofort hässliche Löcher in die Schneedecke reißen.

„Beim Präparieren kommt es drauf an, dass man gleichmäßig durchzieht und dass wenig Wellen und Übergänge entstehen. Das geht mit Seilwinde viel besser“, erklärt Andreas Haßlberger. Ganz ungefährlich ist das lange Stahlseil nicht. Wenn es durchhängt und Schnee drauffällt, ist es nicht sichtbar, kann aber blitzartig hochschnalzen, wenn der Pistenbully am Ende der Piste dreht. Deswegen auch die Sperrung.

Andreas Haßlberger ist ein erfahrener Fahrer, der sogar schon FIS-Weltcup Strecken präpariert hat. Er kennt sein Gefährt in- und auswendig. Die vielen Anzeigen, Knöpfe und Displays erinnern an das Cockpit eines Flugzeuges. Schild und Fräse steuert er mit einem Joystick, gekonnt und präzise bis auf wenige Zentimeter. „Die Rillen, die beim Walzen entstehen, sorgen für mehr Oberfläche und damit für mehr Grip beim Skifahren. Außerdem kann die Nachtluft den Schnee so besser herunterkühlen, die Piste wird härter“, erklärt er. Frisch gefallener, federleichter Pulverschnee in der Früh, ist ihm am liebsten, wenn es staubt und er mit dem Bully regelrecht über die Pisten surft. Schon wenn Andreas Haßlberger davon redet, überzieht ein breites Grinsen sein Gesicht. Er hat einen hohen Anspruch an die Qualität seiner präparierten Pisten. Sollte es nötig sein, fährt er eine Spur auch ein zweites Mal. Weil es um die Sicherheit der Skifahrer geht und dass sie Spaß haben. Die nächsten Stunden werden Andreas und sein Kollegen sorgfältig die Hänge abfahren. Erst wenn alles hundertzehnprozentig passt, haben auch sie Feierabend.

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