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Oranges und Grünes Motorrad

Oldtimer zum Staunen

Datum: 20.01.2026
Von: Kathrin Thoma

Angefangen hat alles in den 1970er-Jahren, als Georgs Vater den landwirtschaftlichen Stall aufgab und anfing, alte Motorräder zu sammeln, sogenannte „Schnauferl“. „Damals waren die Maschinen meist nichts mehr wert. Jeder wollte ein Auto, die Motorräder standen in Stadln oder landeten beim Schrotthändler“, erzählt Georg. Schon als Kind lernte er vom Vater das Schrauben. „Oft haben die Leute ihre Maschinen auch einfach bei uns abgestellt, weil sie wussten: Die Hollwegers sammeln so etwas.“

Heute stehen rund 50 Motorräder im „Schnauferlstall“, der etwas versteckt im Ortsteil Bacherwinkl liegt, rund 2 Kilometer vom Ruhpoldinger Ortszentrum entfernt. Ergänzt wird die Sammlung um lose präsentierte Motoren und ein paar Autos. Das älteste Stück ist ein Fahrrad mit Hilfsmotor aus dem Jahr 1922, ein kurioser Vorläufer moderner E-Bikes. Daneben finden sich bayerische Klassiker wie NSU, BMW und Zündapp, aber auch britische Modelle und seltene Sondertypen.

Unter dem Dach des umgebauten Stalls reihen sich historische Motorräder dicht an dicht. Im Neonlicht glänzen Lack und Chrom. Georg Hollweger steht vor einer restaurierten NSU-Konsul, eines seiner Lieblingsstücke. 

„Mein wertvollstes Stück steht unten: eine Zündapp KS 750 mit Beiwagen, Baujahr 1942, eine Militärmaschine mit Rückwärtsgang und Beiwagenantrieb“, erzählt Georg Hollweger. Die von seinem Vater geerbte Leidenschaft fürs Restaurieren lebt er bis heute: „Jedes Jahr nehme ich mir eine Maschine vor, mache sie fertig und bringe sie auf die Straße.“ Viele der ausgestellten Maschinen sind betriebsbereit und für Georg ist es selbstverständlich, sie auch zu fahren. „Wenn man so viel Arbeit hineinsteckt, will man sie bewegen, selbst wenn sie laut und unbequem sind und einem beim Fahren viel Gefühl abverlangen“, sagt er.

Allein ist er mit seiner Oldtimer-Begeisterung nicht. In ganz Bayern kennt Georg Sammler, tauscht Ersatzteile und Tipps. „Das ist fast wie Familie. Jeder weiß ungefähr, was der andere hat, und man trifft sich regelmäßig.“ Diese Netzwerke sind wichtig, denn Ersatzteile für die historischen Maschinen sind oft teuer und schwierig zu bekommen, selbst wenn es inzwischen gute Nachbauten gibt.

Mann steht neben einem Motorrrad

Den Schnauferlstall seines Vaters hat Georg in den letzten Jahren ordentlich modernisiert. Ein besonderes Detail: Über eine Luke im Boden können Maschinen direkt ins obere Geschoss gehoben werden, praktisch, wenn ein neues Restaurierungsobjekt seinen Platz bekommen soll.

Einen festen Eintritt für das kleine Privatmuseum gibt es nicht, Besucher geben, was sie möchten. Georgs Publikum ist bunt gemischt: Touristen, Einheimische und Oldtimerfans, die staunen, wie völlig anders diese frühen Motorräder funktionieren: die Luftschieber am Vergaser werden noch von Hand reguliert, geschaltet wird per Hand und gekuppelt mit dem Fuß. „Jedes Modell erzählt seine Geschichte und wenn ich sehe, wie interessiert Besucher stehen bleiben und Fragen stellen, dann weiß ich: Das ist die Mühe wert."

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