Im katholischen Pfarrzentrum St. Georg herrscht munteres Gewusel. Nach und nach trudeln immer mehr Kinder ein. „Sternsinger Zentrale“ steht auf einer kleinen Tafel. Hier melden sich erstmal alle an, bevor sie den jeweiligen Gruppen zugeordnet werden, für die wiederum die Kostüme auf Kleiderstangen bereithängen. Mütter und Ehrenamtliche der Pfarrgemeinde helfen den Kindern beim Einkleiden. Auf den Fensterbänken liegen prachtvolle Hauben und Hüte, daneben Kohle zum Anzünden, Weihrauch, Kreide. An einem Tisch werden die Jungen und Mädchen geschminkt, auf einem anderen ist Schmuck ausgebreitet: Broschen, Ketten, Ohrringe, Armreifen. Hier wühlt Evi Schweiger in einer der Schachteln. Sorgsam sucht sie für jedes Kind die Schmuckstücke aus, die am besten zum Gewand passen.
Ihre Großmütter und Tanten waren Schneiderinnen und sie selbst hat schon als Kind am liebsten Puppenkleider genäht. Mit 14 Jahren absolvierte sie in Ruhpolding eine Schneiderlehre. Weil zu der Zeit immer mehr Konfektionsbekleidung auf den Markt kam und niemand mehr eine fertige Gesellin einstellte, machte sie notgedrungen anschließend noch eine Hotelfachausbildung und arbeitete im Ruhpoldinger Kurhaus. Weil ihr Herz aber nie aufhörte für die Schneiderei zu schlagen und sie nach 30 Jahren in der Hotel- und Gastronomiebranche genug hatte, machte Evi endlich das, wovon sie schon als Kind träumte: Sie eröffnete eine eigene Schneiderei, hatte zeitweise bis zu 20 Angestellte und spezialisierte sich auf historische Trachten. „Die hat schon damals fast niemand mehr genäht und dadurch, dass ich Gold und Seide sticken kann, hatte ich immer genug Aufträge. Meine Kunden kamen aus dem ganzen Alpenraum“, erzählt sie. Eine ihrer spannendsten Aufträge war eine Zusammenarbeit mit dem Porzellanhersteller Hutschenreuther. Dabei ging es um große Ausstellungen in Amerika, das Thema war: Bayerische Königshäuser. „Wir haben dafür historische Trachten aus verschiedenen Regionen angefertigt und das Dekor, das auf der Kleidung war, wurde gleichzeitig aufs Porzellan produziert“.