Burgi Müller hilft seit Jahrzehnten beim Kräuterbuschen-Binden. Mit ihren 80 Jahren bringt sie viel Kenntnis um die Kraft der Heilpflanzen mit. Sie weiß, was unbedingt in einen Strauß gehört: Wermut, Salbei, Johanniskraut, Spitzwegerich, Arnika. Wie viele Kräuter es pro Kräuterbuschen sein müssen, ist von Region zu Region unterschiedlich. Mal handelt es sich um eine symbolträchtige Zahl wie die Sieben, die für die Schöpfungstage steht oder eine durch drei teilbare Zahl, als Zeichen für die Dreifaltigkeit. „Wir verwenden mindestens 15 Pflanzen. Ganz wichtig ist die Königskerze, die in die Mitte kommt. Heutzutage findet man sie leider nicht mehr häufig“, sagt Burgi. Die Pflanzen, die sie zum Binden verwenden, pflücken die Frauen des Katholischen Frauenbundes selbst. Jede bringt mit, was sie findet. Julia Haigermoser und Elisabeth Frost sind noch recht neu im Team und haben die Organisation übernommen. „Letztes Jahr hatten wir viel Goldrute, heuer ist sie schon verblüht. Welche Kräuter wir verwenden, hängt stark vom Wetter ab. Deswegen sehen die Buschen auch nie gleich aus“, erklärt Julia.
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Ein Strauß voll Kräuter
Dieser Duft! Und die Farben! Rotblauer Lavendel, gelbe Königskerze, orange Ringelblume, lilafarbener Dost, auch bekannt als wilder Majoran. Es ist der 14. August, ein Tag vor Mariä Himmelfahrt, der in großen Teilen Bayerns ein Feiertag ist. Um die 150 kleine Kräuterbuschen binden die Frauen des Katholischen Frauenbundes an diesem sonnigen Tag. Dabei wird der Aufnahme Marias in den Himmel gedacht. Und weil die Jünger Jesu, als sie das Grab Mariens öffneten, darin nicht den Leichnam, sondern Rosenblüten und Kräuter gefunden haben sollen, entwickelte sich der Brauch, zu diesem Festtag Kräuter zu weihen. Aus ihnen bereitete man dann zum Beispiel Tee gegen Krankheiten oder warf sie bei Unwetter ins Feuer, um sich zu schützen.
Beim Blutweiderich hatten die Frauen Glück und konnten ihn direkt am Wegesrand finden. Das Kraut gilt als natürliches Antibiotikum und die Blätter des Spitzwegerichs helfen aufgelegt gegen Insektenstiche. „Früher haben sich die Menschen bei Krankheiten oder Verletzungen oft selbst geholfen. Das Wissen über Heilkräuter wurde von Generation zu Generation weitergegeben“, erzählt Burgi. Auch in ihrer Familie wurde gegen Magenschmerzen Wermut in Wein angesetzt oder bei Herzproblemen Weißdornsaft getrunken. Es gilt: Will man Beschwerden loswerden, wendet man das Kraut bei abnehmendem Mond an, soll es den Körper stärken, bei zunehmendem Mond. Aber nie länger als zwei Wochen, ermahnt Burgi, auch keinen Pfefferminz- oder Ingwertee. Kräuter sollten immer nur zeitlich begrenzt eingenommen werden.
Es ist genau dieses altes Wissen, das die Frauen des Katholischen Frauenbundes bewahren wollen. „Ich möchte nicht, dass diese Traditionen verloren gehen und sie für meine Kinder erhalten. Gerade für sie ist die Heilkraft der Natur oft die beste Medizin“, findet Julia und legt einen weiteren fertigen Kräuterbuschen in den Korb. Die Sträuße werden dann am 15. August vor der Schlosskapelle am Ruhpoldinger Hei- matmuseum gegen eine kleine Spende verteilt.