Dann kehrt Georg Gruber noch auf der nahen Boider Alm ein, wie viele andere Wanderer und Ausflügler auch. Der Pastoralreferent ist privat leidenschaftlicher Bergsportler und gerne draußen. „In den Bergen geht mir einfach das Herz auf“, sagt er. Im Sommer und im Winter. Bei einer gemütlichen Wanderung, einer anspruchsvollen Skitour oder beim Klettern. „Auf dem Berg fühlen wir uns Gott emotional näher. Weil wir offener sind, anders fühlen, anders sehen. Das macht auch einen Gottesdienst aus, sich als Geschöpf Gottes und Teil der Schöpfung zu fühlen.“
Tourismusseelsorge richtet sich an Menschen in ihrer Freizeit, an Urlauber, an Gäste und Einheimische gleichermaßen, egal welche Konfession oder konfessionslos. Für sie werden besondere Angebote geschnürt: Berggottesdienste, spirituelle Wanderungen, Kirchenführungen und "Musik für die Seele". „Das hat nichts mit missionieren zu tun, wir stülpen niemandem etwas über. Wir sind einfach da, sind Ansprechpartner für die Menschen und mit ihnen unterwegs. Wir reden, wir hören zu. Das ist auch für uns als Kirche wichtig, dass wir uns öffnen, rausgehen und unseren Wirkungskreis ausweiten.“
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Himmlisch auftanken
Nebelschwaden wabern vom Tal hinauf. Die Wolken sind kühl und feucht, hüllen alles ein. Man kann die Stille hören. Sie ist beruhigend, klar, wohltuend. Am Kreuz auf dem Unternberg, gleich neben der Bergwachthütte, haben sich zwei Dutzend Menschen zum Berggottesdienst eingefunden. Manche sind hinauf gewandert, andere haben den Sessellift genommen, oder das Mountainbike. So wie Georg Gruber, der alle herzlich begrüßt, vor allem den 13-jährigen Sebastian, der den Gottesdienst auf der „Ziach“ musikalisch begleiten wird. Seine feinfühlige Spielweise berührt, die Melodien gehen zu Herzen. Genauso wie die Worte von Pastoralreferent Georg Gruber. Gemeinsam wird gesungen, gebetet, gedankt.
Unter dem langen weißen Gewand des Tourismusseelsorgers blitzen Wanderschuhe, Hose und Funktionsjacke hervor. Nach dem Berggottesdienst bleibt er bei den Menschen stehen. Er findet für jeden freundliche Worte. Derweil wird der Nebel lichter. Sogleich spürt man die Kraft der Sonne. Sie lugt für einen Moment hervor. Kurz kann man hinabschauen aufs Ruhpoldinger Tal und hinaus Richtung Chiemsee.
Berggottesdienste gehören zu Georg Grubers liebsten Aufgaben als Tourismusseelsorger.
Die Idee hinter dem Konzept Tourismusseelsorge, das von den Erzdiözesen finanziert wird, ist, dass Menschen im Urlaub und der Freizeit empfänglicher und bereiter sind, dass sie Leib und Seele gleichermaßen auftanken wollen. Ob Georg Gruber am liebsten jeden Gottesdienst auf dem Berg feiern möchte? „Nein“, sagt er, „die Kirche symbolisiert, dass Gott mitten unter uns ist, deshalb steht sie im Dorf und das ist gut so.“ Ruhpolding ist Georg Grubers erste Stelle als Pastoralreferent. Sein Ortswunsch lautete damals: Land vor Stadt, Süd vor Nord und je weiter in den Bergen, desto besser. „Ich fühle mich hier sehr wohl“. Sebastian, der 13-jährige Ziachspieler ist nach dem Berggottesdienst ebenfalls mit zur Boider Alm gekommen, er spielt noch ein paar Stücke. Und die Sonne, die steht auch endlich wieder strahlend am Himmel. Wolken und Nebel haben sich aufgelöst. Petrus sei Dank!