Herbert Ohl kennt den Biathlon in Ruhpolding wie kaum ein anderer. Der 1932 geborene Ruhpoldinger war Skiclub-Vorsitzender, 18 Jahre Bürgermeister und als Präsident des Organisationskomitees an zahlreichen Weltcups und drei Weltmeisterschaften beteiligt. Einer seiner lebhaftesten Rückblicke führt ins Jahr 1971, zu den Bayerischen Meisterschaften, als Biathlon im Ort noch von Improvisation geprägt war und der Wettkampf buchstäblich auf einer Wiese stattfand. Start und Ziel lagen zwischen Johannisbrücke und dem neu eröffneten Wellenhallenbad, die Loipe führte Richtung Fuchsau am Fuße des Unternbergs. Geschossen wurde mit schwerem Großkaliber auf provisorische Zielwände, manchmal dienten sogar Luftballons als Trefferanzeige: platzte der Ballon, färbte sich die Fläche schwarz. Erst Ende der 1970er-Jahre hielten um- klappende Metallscheiben Einzug, seither wird im Biathlon auf 50 Meter gezielt.
„Wir waren eine große Gruppe von Ehrenamtlichen, die über Jahrzehnte hinweg unterschiedlichste Aufgaben übernommen hat“, erinnert sich Ohl. „Anton Plenk war Starter, Helmut Müller leitete den Schießstand und ich selbst stand oft als Ansager am Mikrofon. Dazu gehörten noch Herbert und Erika Fritzenwenger, Brigitte Bentele, Prof. Dr. Rupert Ketterl und viele weitere engagierte Helfer, die sich um Verpflegung, Wettkampfbüro, medizinische Betreuung und vieles andere kümmerten. Selbst die Lautsprecheranlage stammte aus Privatbesitz. Mit einfachsten Mitteln haben wir alles gemeinsam auf die Beine gestellt.“ Die Zuschauer standen damals so dicht an der Loipe, dass man den Athleten fast auf die Schulter hätte klopfen können. Nur Fernsehkameras blieben aus. Biathlon galt damals noch als militärisch geprägte Sportart und war politisch nicht unumstritten.
Die Erfolge dieser ersten Wettkämpfe blieben nicht ohne Wirkung: Immer mehr Athleten reisten an, Zuschauerzahlen stiegen, und der Anspruch wuchs. Bald war klar, dass eine Wiese
mit Zielwand den Anforderungen dieser aufstrebenden Sport- art nicht mehr gerecht werden konnte. Die Suche nach einer dauerhaften Lösung führte den Gemeinderat schließlich zum Zirmberg. Die Lage bot ideale Bedingungen für Streckenführung, Infrastruktur und eine moderne Schießanlage. 1976/77 rückten die Bagger an.
Es war Ohls erste WM als Bürgermeister, 1985 folgte die zweite, zu der an drei Wettkampftagen Zehntausende ins Stadion strömten. "Schon zuvor, bei den Olympischen Spielen 1984 in Sarajevo sorgten Peter Angerer, Fritz Fischer, Herbert Fritzenwenger und Walter Pichler für eine echte Sensation: Bronze in der 4×7,5-Kilometer-Staffel hinter der Sowjetunion und der DDR. Als Peter Angerer dann auch noch im Einzellauf Olympiasieger wurde, sprang der Funke endgültig über", erinnert sich der 93-Jährige. Für die dritten und vierten Titelkämpfe erhielt die Arena dann ein umfassendes Facelift: 30 Schießbahnen, elektronische Ziele, neue Tribünen. Ruhpolding war endgültig in der Weltspitze angekommen.