Veit Oberhauser hat es in seinem Leben weit gebracht. Man schrieb das Jahr 1737, als er auf dem Geiergut, einem zu Ruhpolding gehörenden Einödhof, das Licht der Welt erblickte. Es ist anzunehmen, dass er ein aufgewecktes Kind gewesen sein muss. Nach dem Besuch der Volksschule arbeitete er sich vom Holzknecht zum Zimmermann und schließlich zum Salinentriftmeister hinauf. In dieser Funktion überwachte Veit Oberhauser die ordnungsgemäße Durchführung der Trift, wie man den Transport vom Bergholz auf Bächen und Flüssen nennt. Holz wurde zur damaligen Zeit dringend und in großen Men- gen in den Salinen benötigt, um die riesigen Sudpfannen zu beheizen und Salz zu sieden. Um den gewaltigen Holzbedarf decken zu können, wurden Wälder regelrecht kahlgeschlagen und mit schnellwachsenden monotonen Fichtenbeständen aufgeforstet. Das war Veit Oberhauser ein Dorn im Auge.
Bäume, soweit das Auge reicht. Alte Fichten aber noch viel mehr jüngerer Ahorn, Buche, Tanne, Lärche, Eibe. Maximilian Eschenbacher und sein zweijähriger Englischer Springer Spaniel Egon sind in den Wäldern am südlichen Rauschberg unterwegs. Maximilian ist seit eineinhalb Jahren bei den Bayerischen Staatforsten, Forstbetrieb Ruhpolding. Der gebürtige Mittelfranke ist als Revierleiter für die Laubau zuständig, für circa 4.000 Hektar Wald.
„Die Fichten sind noch die Nachwirkungen der Salinenzeit. Aber unten drunter sieht man eine deutliche Verjüngung mit anderen, schattenverträglichen Baumarten. Wir haben in Ruhpolding das große Glück, viele vitale Bäume zu haben, die Samen tragen und sich eigenständig vermehren. Das hat zwei Vorteile. Zum einen kostet natürliche Verjüngung nichts und während bei Pflanzungen nur zwischen 1.000 und 6.000 Setzlinge auf einem Hektar ausgebracht werden können, ist die Naturverjüngung um ein Vielfaches höher. Dadurch steigt die Chance, dass sich die geeignetste Pflanze durchsetzt“, erklärt der studierte Forstwirt. So weiß man beispielsweise, dass Tanne, Buche und Ahorn gut mit dem Klimawandel, höheren Temperaturen und einer Niederschlagsverlagerung zurechtkommen, genauso wie die Eibe. „Es deutet vieles darauf hin, dass unsere Sommer trockener werden. Im Kalkalpinen Bereich ist das ein großes Problem, da es dort nur eine dünne Humusauflage gibt und die Bodentiefe sehr gering ist. Wasser kann nur schlecht gespeichert werden, die Natur ist auf regelmäßigen Regen angewiesen. Bei uns ist es feucht genug und wir
haben einen gesunden Bergwald.“