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Eine Mitarbeiterin serviert ein Gericht

Hotel, Wirtshaus, Treffpunkt

Datum: 12.02.2026
Von: Kathrin Thoma

In der Küche des Ruhpoldinger Hofes duftet es verführerisch nach Butter und Bratkartoffeln, nach Röstaromen und einem Hauch Meerrettich. Anna-Maria Reiter steht heute ausnahmsweise selbst am Herd der Hotelküche. Noch ein wenig Senf, zwei Streifen Speck, dazu Emmentaler Käse, fertig ist die Füllung und Anna-Maria klappt das Schweinerückensteak zusammen. „Wie ein Cordon Bleu, nur bayerisch“, sagt sie. Das Fleisch hat sie nicht paniert, sondern leicht bemehlt und brät es jetzt in Butter aus. Dazu werden Bratkartoffeln, Zwiebeln und eine hausgemachte Bratensoße serviert.

Ein bayerisches Traditionsgericht als heimlicher Star und eine junge Gastgeberin, die frischen Wind hineinbringt: Der Ruhpoldinger Hof im Herzen des Ortes hat sein Gesicht verändert, mit neuem Wellnessbereich, hellerem Look und einem ganzjährigen Angebot, das Gäste und Einheimische gleichermaßen lockt.

Während das Steak in der Pfanne langsam vor sich hin brutzelt, klingen aus den Gasträumen Stimmen und Gelächter. Es ist Mittagszeit im Ruhpoldinger Hof, der nicht nur den Hotelgästen offensteht, sondern auch Einheimischen, die seine bodenständige Küche zu schätzen wissen. „Das bayerische Schweinerückensteak hat mein Papa auf die Karte gebracht“, erzählt Anna-Maria grinsend, „und wenn es mal nicht draufsteht, gibt’s fast Panik unter den Stammgästen.“

Der Ruhpoldinger Hof geht bis auf das Jahr 1635 zurück und ist seit jeher in Familienbesitz. Anfangs war er nur ein einfacher Bauernhof mit Schweinestall und Milchsammelstelle. Bis Anna-Marias Ur-Großvater der Traum vom eigenen Hotel umtrieb. Entschlossen riss er den Stadl ab, um Platz für Gästezimmer zu schaffen.

Heute führen Anna-Marias Eltern den Ruhpoldinger Hof, zuvor betrieb die Mutter das Restaurant am Rauschberg, ihr Vater war Betriebsleiter im Kurhaus. Seit rund einem Jahr ist auch die 28-Jährige voll in den Betrieb eingestiegen. Mitten im Ortskern von Ruhpolding gelegen bietet das 4-Sterne-Hotel 49 Zimmer und fünf Ferienwohnungen. 

Restaurant im Hotel

Es ist eine Adresse für Begegnungen, gutes Essen und Gastfreundschaft. „Und das soll es auch weiterhin bleiben, nur eben zeitgemäß“, sagt Anna-Maria.

Über die Jahre hat sich der Ruhpoldinger Hof stetig verändert, vom einfachen Gasthof zum komfortablen Hotel. 2017 kam ein großer Schritt: Das Dach wurde angehoben, ein drittes Stockwerk aufgesetzt, die Zimmer neu zugeschnitten und modern ausgestattet. 2024 folgte der nächste Meilenstein mit einem umfassenden Umbau des Haupthauses: neue Frühstücksräume, eine modernisierte Lounge und ein à la carte Restaurant mit offener Theke. Sichtbeton und Naturstein treffen hier auf Altholzelemente aus dem Zillertal – ein Mix aus Tradition und Zeitgeist. Geblieben ist die alte „Josefi-Stubn“ mit dem Stammtisch, der Lieblingsraum des Großvaters, während drumherum alles heller und zeitgemäßer geworden ist. 

Das neue Herzstück des Hotels ist der 500 Quadratmeter große Wellnessbereich, das „HofSPA“. Er wurde so konzipiert, dass auch Tagesgäste willkommen sind. Ein Indoorpool, Panoramasauna, Biosauna und Dampfbad gehören ebenso dazu wie gemütliche Hängeliegen im großzügigen Ruheraum „Nachtwald“ mit gedämpftem Licht und Naturgeräuschen – fast wie ein kleiner Wald im Haus.

Mitarbeiterin steht im Restaurant

Die Reiters sind keine Hoteliers, die im Büro verschwinden, sondern immer im Hotel präsent.

Selbst im Winter können Gäste zwischen den Saunagängen ins Freie treten, denn ein eigener Outdoorbereich ist angeschlossen. Gestaltet ist das HofSPA in einem modern interpretierten, alpinen Stil, geprägt von natürlichen Materialien und großen Glasflächen.

Der letzte Umbau war zwar eine Herausforderung - nicht nur wegen der Wasserschäden während der Bauphase und der engen Lage im Ortskern - doch vor allem war er eine Chance: „Wir wollten weg vom klassischen Saisongeschäft.  Der Wellnessbereich macht uns auch in der Nebensaison attraktiv“, sagt Anna-Maria. „Jetzt haben wir ganzjährig  geöffnet, für die Gäste und unsere Mitarbeiter. Ein Fitnessraum und ein kleiner Tagungsbereich runden unser Angebot ab.“

Bei all den Veränderungen ist und bleibt die Küche das Herz des Ruhpoldinger Hofes. Anna-Marias Vater, gelernter Koch, schwingt regelmäßig Löffel und Kelle. Kaiserschmarrn, Schweins- braten, Kaspressknödel und das legendäre Schweinerückensteak sind Bestseller. Ergänzt werden die bayerischen Klassiker um leichtere auch vegane Gerichte oder saisonale Spargelspecials. Anna-Maria weiß: „Wenn das Essen nicht passt, hilft der schönste Wellnessbereich nichts“. Halbpension gibt es bewusst nicht, Gäste bestellen à la carte. Das Frühstücks- buffet ist reich gedeckt mit regionalen Produkten wie Imkerhonig und hausgemachten Marmeladen. An Sommerabenden ist der Biergarten unter der alten Linde bis auf den letzten Platz besetzt.

„Unsere Philosophie ist einfach: ehrliche Zutaten, kurze Wege und viel Liebe zum Detail“, erklärt Anna-Maria. Sie ist gelernte Hotel und Gastgewerbeassistentin, hat in Salzburg und am Achensee in namhaften Häusern gearbeitet und ihren Hotelbetriebswirt abgelegt. „Für mich war immer klar, dass ich mal im Ruhpoldinger Hof mitarbeiten werde. Meine Eltern wollten zwar, dass ich zuerst eine Banklehre mache, 
aber für mich gab es nie etwas anderes als Hotellerie“, sagt sie. Sie ist im Haus aufgewachsen, kennt den Betrieb von klein auf. Frühstück machen, Zimmer putzen, Check-in erledigen, Anna-Maria macht alles und ihre Eltern leben es vor.  

Ihre Hands on Mentalität sorgt für eine Atmosphäre, die viele Stammgäste schätzen: persönlich, ungekünstelt und trotzdem auf Sterneniveau. „Wir packen tatsächlich alle mit an, egal ob Rezeption oder Wäscherei. Es gab einen Sommer, da haben wir selbst gemangelt, weil wir einen personellen Engpass hatten“, erzählt Anna-Maria. Sie ist das Gesicht einer neuen Generation, die in einem Traditionshaus neue Ideen einbringt, ohne dessen Wurzeln zu kappen. „Meine Eltern stehen für das Bodenständige, ich setze neue Impulse. Das passt gut zusammen“, sagt sie, schnappt sich den Teller mit dem altbayerischen Schweinerückensteak und ist auch schon unterwegs in die Gaststube.  

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