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Sonderzug Ankunft in Ruhpolding

Der Mann der Sonderzüge

Datum: 10.02.2026
Von: Kathrin Thoma

Ursprünglich wollte Dr. Carl Degener seine Gäste ins salzburgische Golling bringen, doch die 1000-Mark-Sperre machte Österreich unattraktiv. Bei einem zufälligen Gespräch mit einem gebürtigen Ruhpoldinger erfuhr Degener zum ersten Mal von dem damals noch kaum bekannten Ort. Als Ruhpolding gefragt wurde, ob 500 Betten, eine Musikkapelle und Veranstaltungen kurzfristig organisiert werden könnten, erkannte der Verkehrsverein seine Chance – und handelte sofort. Noch am selben Tag ging das Telegramm „Ruhpolding einverstanden!“ an Degener raus. Es war der Beginn einer gemeinsamen Erfolgsgeschichte. 

"Pfingsten 1933. Mit quietschenden Bremsen rollt ein Sonderzug aus Berlin in Ruhpolding ein. Neugierige Gesichter an den Fenstern – für viele der erste Blick auf die bayerischen Alpen. Mit an Bord: Dr. Carl Degener aus Bremen, Jurist und Reiseunternehmer."

Aufgewachsen in Norddeutschland, studierte Degener Jura und Volkswirtschaft und leitete früh das Bremer Arbeitsamt. Doch das sichere Amt reichte ihm nicht: Sein Herz schlug dafür, Reisen für alle erschwinglich zu machen – nicht nur für Wohlhabende. 1931 eröffnete er in Berlin sein eigenes Reisebüro und füllte erstmals wöchentliche Sonderzüge in die Alpen.

Anreise, Unterkunft, Verpflegung und Rahmenprogramm, alles aus einer Hand und zu einem Preis, den sich auch Arbeiterfamilien leisten konnten. Das traf den Nerv der Zeit. Binnen weniger Jahre schnellten die Übernachtungszahlen in Ruhpolding in die Höhe. Gästezimmer entstanden in Bauernhöfen, Sonderzüge rollten ein. Das von Ruhpoldingern eigenhändig neu errichtete Kurhaus platzte bei den Heimatabenden aus allen Nähten.

Degener verband mit Ruhpolding bald weit mehr als nur geschäftliche Interessen. Er zog selbst hierher, ließ eine elegante Privatvilla errichten - das heutige Parkhotel - und engagierte sich mit Leidenschaft für den Ort. 

»Seine Idee war einfach und revolutionär zugleich: Pauschalreisen für kleine Budgets.«

Nach dem Krieg startete Carl Degener erneut durch. Zusammen mit Partnern gründete er die Arbeitsgemeinschaft  „Touropa“, aus der später der größte Reiseveranstalter der Welt, die TUI, entstand. Drei Viertel aller Ruhpolding-Gäste reisten nun mit seinen Pauschalpaketen an. 1950 ehrte ihn die Gemeinde für seine Verdienste mit der Ehrenbürgerwürde, später erhielt er sogar das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

Zeitzeugen beschreiben ihn als zielstrebig, fast hanseatisch nüchtern, aber voller Ideen und mit großem Herz für seinen Ferienort. Er konnte streng wirken, soll aber ein feines Gespür für Menschen gehabt haben und für das, was Urlauber suchen: gute Organisation, klare Abläufe und das Gefühl, willkommen zu sein.

Altes Foto mit Ruhpoldinger Bürgern

Am 28. Dezember 1960 starb Carl Degener im Alter von 60 Jahren. Sein Grab liegt in Ruhpolding, das bis zum Schluss seine Heimat war und sein Vermächtnis lebt weiter: Das einstige Bergdorf ist ein beliebtes Ferienziel, das für Biathlonsport, Natur und Gastfreundschaft steht. Wer heute am historischen Bahnhof ankommt, ahnt nicht, dass genau hier vor fast 100 Jahren ein  Bremer mit einem Sonderzug Geschichte schrieb. 

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