Tag der Ruhpoldinger Bahnhofseinweihung war der 9. November 1895. Die neue Lokalbahn auf der Strecke Traunstein – Ruhpolding hatte schon ein paar Wochen zuvor Fahrt aufgenommen. Es war ein denkwürdiges Ereignis, dem jahrelange zähe Verhandlungen vorausgingen. Ein Traunsteiner Brauereibesitzer wollte seinen Grund partout nicht hergeben. Schließlich drohte man ihm mit Zwangsenteignung und Bierstreik – das wirkte. Im Juli 1984 begann das Verlegen der Schienen auf der 13,206 Kilometer langen Strecke. Ein Jahr später saßen über 300 Personen im ersten Zug nach Ruhpolding. Sie wurden gratis befördert, 55 Minuten brauchte die schnaufende Lokomotive. Heute beträgt die Fahrzeit 22 Minuten. Am Ruhpoldinger Kopfbahnhof ist Endstation. Überlegungen die Verbindung bis nach Reit im Winkl fortzuführen, sind längst verworfen.
Dank der Lokalbahn konnte damals nicht nur Lang- und Papierholz schnell und einfach gen Norden transportiert werden, Ruhpolding avancierte auch zum beliebten Ausflugsort. Gäste und Urlauber kamen in Scharen. Um 1900 stockte man Personenwagen auf, an Sonn- und Feiertagen fuhren zusätzliche Züge. Was für ein Anblick! Damen in langen, wallenden Röcken mit feinen Hüten auf den frisierten Köpfen flanierten an den Armen ihrer Gatten, die mit dem Spazierstock weltmännisch auf die umliegenden Gipfel wiesen. In den 1930er empfing man die Gäste mit Blasmusik. Die Kapelle spielte den ganzen Tag, von morgens bis abends. An den Gleisen standen Vermieter mit Leiterwagen bereit. Legendär der Begrüßungsjodler vom Zeller Sepp, amüsant die jungen Burschen mit ihren schmachtenden Blicken auf die hübschen Stadtmädchen.