Dass Stefan Birmoser Wanderführer wurde, verdankt er dem damaligen Ruhpoldinger Kurdirektor. Der ergriff die Gelegenheit beim Schopfe als Stefan in Rente ging und machte ihm den Vorschlag, wohlwissend, dass er keinen besseren finden könnte. Und so zeigt er seit 15 Jahren Gästen die schönsten Fleckchen seiner Heimat, von der Hörndlwand über das Sonntagshorn, den Seekopf bis zum Rauschberg und all den Almen. „Was gibt‘s schöneres, als wenn einem die Menschen sagen: Wenn du nicht wärst, dann wären wir hier nie rauf gekommen“. Das wundervollste Lob, das er je erhalten hat, kam von einem Hochzeitspärchen. Sie hatten im Ruhpoldinger Rathaus geheiratet und verbrachten auch gleich die Flitterwochen im Ort. Mit Stefan wanderten sie auf die Nesslauer Schneid und waren begeistert. „Wir haben Manggein gesehen und Gämsen und sind auf der Alm eingekehrt. Ein rundum gelungener Tag. Zwei Wochen später bekam ich einen Brief von ihnen und sie schrieben, dass die Tour mit mir das schönste Erlebnis war. Schöner als die Trauung“.
Stefan bleibt stehen, schnauft kurz durch. Wir wischen uns den Schweiß von der Stirn und trinken einen Schluck. Um uns herum nur Stille, Bergstille. Die letzten Meter zum Nesslauer Gipfelkreuz sind anspruchsvoll und erfordern ein wenig Klet- tergeschick. Stefan kennt jeden Stein, jeden Tritt, bewegt sich völlig sicher im Gelände. Wie oft er heroben war? „Weit über 100 Mal bestimmt“, überschlägt er. Es ist einer seiner abso- luten Lieblingsplätze, diese Schneid, die das Nesslauer und Thorauer Almgebiet voneinander trennt, im Hintergrund der Gebirgsstock des Hochfellns. Stefan setzt sich auf das Bankerl, genießt den Ausblick.